Inter Jyväskylä - der Name ist Programm

Fußball in Finnland

Bild: Inter Jyväskylä

Mehr als ein Dutzend Nationalitäten, ein Präsident mit dem Nachnamen Finkbeiner. In Jyväskylä kommt ein neuer Farbtupfer auf die Fußballlandkarte. Bei der Namensgebung mussten die Herren natürlich nicht lange überlegen: Inter Jyväskylä. Und es gibt noch weitere zarte Parallelen zum großen Mailänder Klub.

Auf der Meldeliste für die 6. Division der Region Mittelfinnland für die Saison 2021 tauchten drei neue Namen auf: der FC Saarijärvi ist wieder mit einer Männermannschaft vertreten und wird in der Gruppe C2 an den Start gehen. In der C1-Gruppe werden Jyväskylän Komeetat /3 (hat erstmals eine 3. Mannschaft gemeldet) und die Neugründung Inter Jyväskylä gegen sechs weitere Mannschaften aus Jyväskylä und Muurame um die Plätze in den zwei Finalserien kicken. Vier Mannschaften der Gruppe kommen in die obere Finalgruppe, der Rest in die untere.

Jyväskylä (Rund 140 000 Einwohner) ist eine Universitätsstadt und nicht selten kommen Vereinsneugründungen aus dem Umfeld des Jyväskylän Yliopisto, also der Universität. Das ist auch bei der Urheiluseura Internazionale so, wie der Verein mit vollem Namen heißt. Inter entspringt quasi dem Bolzplatz. Vor einigen Jahren trafen sich finnische Studenten und Austauschstudenten, aber auch nach Finnland ausgewanderte Fußballfreunde, jeweils auf dem Sportplatz, wo gerade Platz war. Ob Kunstrasen oder Schotter, spielte hier keine Rolle. Einige von ihnen spielten in den Saisons 2018-’20 bei MSM Jyväskylä, einem Verein, der seine Ursprünge im Unihockey hat und Meisterschaften in der 6. Division (2018) und zwei Jahre später in der 5. Division errang. Unter ihnen sind die Brüder Jani und Sami Finkbeiner, die auch die deutsche Staatsbügerschaft besitzen, und zunächst in der Schweiz und dann in Antigua aufgewachsen sind. Jani Finkbeiner ist der Vorstandsvorsitzende und Torwart von Inter. Dazu kommen von MSM Boris Čerina, Juuso Mörsky und Ayrton Mestanza (letzterer ausschließlich als Trainer).

Ob man jetzt wirklich von einer Abspaltung, wie zur Gründung von Internazionale Milano sprechen kann, wo Italiener und Schweizer mehr Mitspracherecht haben wollten als ihnen der britisch dominierte Milan Cricket und Football Club (heute AC Milan) zugestandt, lassen wir mal dahin gestellt. Fakt ist jedenfalls, dass man von Seiten MSM den Plänen kineswegs im Wege stand und stattdessen sogar noch half, als die Meldefrist für die Serie abzulaufen drohte. Auch ein Freundschaftsspiel zwischen beiden Mannschaften vor Saisonbeginn ist im Gespräch.

Im Kader von Inter stehen 20-25 Spieler aus 13 Ländern von 4 Kontinenten. Auf dem Platz wird dennoch finnisch gesprochen. Im vereinsinternen Schriftverkehr mit den Spielern wird auch eine englischsprachige Version genutzt. Nach dem Vorbild von Inter Mailand oder dem FC Internationale Berlin wird auf Integration gesetzt.

Ein neuer Verein im Spielbetrieb - das birgt immer Spannung wie denn die Kräfteverhältnisse sind. Mit Spielern die Erfahrung zwischen 4. und 6. Liga besitzen und einem Trainerstab (Ayrton Mestanza, Boris Čerina und Aaro Kumpulainen), der ebenfalls Fußballerfahrung aus diesem Bereich mitbringt, sollte Inter gut aufgestellt sein.

„Viel wird davon abhängen, mit welcher Einstellung wir auf den Platz gehen“, sagt der Vorstandsvorsitzende Jani Finkbeiner. „Als wir unseren Kader zusammen stellten, dachten wir zunächst, wir werden diese Liga dominieren. Da wir am 1. Spieltag auf den Vorjahreszweiten Blackbird Akatemia treffen, glaube ich inzwischen, dass wir dort auf den Deckel bekommen werden und auf den Boden der Tatsachen zurückkehren“, fügt er lachend hinzu.

„Das erreichen der oberen Finalserie wäre schon schön. Hauptsächlich gehen wir auf den Platz um Spaß zu haben und um über Fairplay und positiven Teamgeist ein gutes Fußballgefühl zu erreichen. Aber natürlich gehen wir auf den Platz um zu gewinnen“, sagt Finkbeiner.

Dieser Artikel stammt in loser Übersetzung aus der Keski-Suomen Jalkapalloviikko (erhältlich nur in finnischer Sprache). Autor & Übersetzung: FZsch

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